Leishmaniose ist seit März 2026 meldepflichtig - was Urlaubsrückkehrer mit Hund jetzt wissen sollten

Wer im Sommer mit Hund nach Spanien, Italien, Kroatien oder Griechenland fährt, bringt im besten Fall nur Sand in der Reisetasche mit. Seit dem 11. März 2026 steht Leishmaniose beim Hund in der neuen Tierseuchenmeldeverordnung, in Anlage 3 unter Nummer 16. Sie ist damit eine meldepflichtige Infektion. Für Halter ändert das im Alltag wenig. Für das Verständnis der Krankheit ändert es viel: Der Staat schaut jetzt genauer hin, wie oft sie in Deutschland ankommt.
Enthält gesundheitliche und rechtliche Aussagen. Vor Veröffentlichung durch die tierärztliche Prüfung freigeben; der Rechtsstand zur Meldeverordnung ist zusätzlich am Gesetzestext zu verifizieren. Alle Angaben sind allgemein gehalten und ersetzen keine Diagnose.
Was die neue Meldepflicht bedeutet - und was nicht
Rechtsgrundlage ist die Tierseuchenmeldeverordnung vom 10. März 2026, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt 2026 Teil I Nummer 61 und in Kraft seit dem 11. März 2026. Die Meldepflicht richtet sich an Labore und Tierärztinnen und Tierärzte: Wird der Erreger nachgewiesen, geht eine Meldung an die zuständige Behörde, für Anlage-3-Seuchen wöchentlich. Halterinnen und Halter müssen selbst nichts melden. Die Verordnung regelt ausschließlich die Meldung; Maßnahmen gegen das Tier sieht sie nicht vor. Hintergrund ist die Anpassung an europäisches Tiergesundheitsrecht und der One-Health-Gedanke: Man will schlicht wissen, wie viele Fälle importiert werden - und ob es zunehmend Fälle ohne Auslandsaufenthalt gibt.
Genau das ist der eigentliche Nachrichtenwert: Leishmaniose galt lange als reine "Auslandskrankheit". Inzwischen werden vereinzelt Hunde beschrieben, die Deutschland nie verlassen haben.
Wie sich Hunde anstecken
Übertragen wird der Erreger durch den Stich infizierter Sandmücken (Phlebotomen), auch Schmetterlingsmücken genannt. Sie sind winzig, fliegen bevorzugt in der Dämmerung und Nacht und kommen im gesamten Mittelmeerraum vor. Ein einziger Stich am Urlaubsabend auf der Terrasse genügt.
Besonders betroffen sind Hunde aus südlichen Ländern - Tierschutzhunde aus Spanien, Italien, Griechenland oder Rumänien. Zunehmend betrifft es aber auch Hunde, die nur im Urlaub dort waren.
Warum die Rückkehr der kritische Moment ist
Leishmaniose ist keine Krankheit, die man am Tag nach der Heimfahrt sieht. Zwischen Stich und ersten Anzeichen können Monate liegen, in manchen Verläufen Jahre. Ein Test unmittelbar nach der Rückkehr ist deshalb wenig aussagekräftig. Wann eine Abklärung sinnvoll ist und wie oft sie wiederholt werden sollte, legt die Tierarztpraxis fest, die das Zielgebiet und den Reisezeitraum kennt. Sprechen Sie den Termin dort ab, statt sich an einer Faustregel zu orientieren.
Anzeichen, die zusammen mit einer Mittelmeerreise in der Vorgeschichte hellhörig machen sollten:
- Haut: schuppende, haarlose Stellen, besonders um Augen, Ohrränder und Nasenrücken; schlecht heilende Wunden
- Krallen: auffällig schnell wachsende, brüchige Krallen
- Allgemein: Gewichtsverlust trotz Appetit, Leistungsknick, Fieberschübe
- Weiteres: geschwollene Lymphknoten, Nasenbluten, Augenentzündungen, vermehrter Durst
Keines dieser Zeichen ist beweisend, und keines davon lässt sich zu Hause deuten. Jedes einzelne gehört in die Tierarztpraxis, wenn der Hund im Süden war.
Was das kosten kann
Der Einstieg ist Labordiagnostik: Antikörpertest, Blutbild, Organwerte, oft ergänzende Untersuchungen - nach der übliche Tierarzttarife zuzüglich Laborkosten typischerweise ein niedriger bis mittlerer dreistelliger Rahmen. Deutlich schwerer wiegt der Verlauf. Wie eine Leishmaniose im Einzelfall verläuft, ob sie ausheilt und welche Therapie in Frage kommt, beurteilt allein die behandelnde Praxis. Rechnen Sie finanziell damit, dass Medikation und regelmäßige Kontrollen über Jahre anfallen können; die Beträge variieren je nach Verlauf und Praxis stark. Feste Preise gibt es nicht; die GOT lässt je nach Aufwand unterschiedliche Sätze zu.
Versicherungstechnisch ist Leishmaniose ein Lehrstück. Eine einmal diagnostizierte, chronische Erkrankung gilt am Markt als Vorerkrankung - wer den Schutz erst danach sucht, trifft je nach Anbieter auf Ausschlüsse, Wartezeiten oder Mehrbeiträge. Was das praktisch heißt, ordnen wir im Ratgeber Tierversicherung trotz Vorerkrankung ein; die Unterschiede im laufenden Behandlungsschutz zeigt der Vergleich der Hundekrankenversicherungen. Das ist ein redaktioneller Überblick, keine individuelle Beratung.
Vor der nächsten Reise
- Reiseberatung vorab in der Tierarztpraxis einholen - das Zielgebiet entscheidet.
- Konsequenter Mückenschutz über die gesamte Reise, tierärztlich abgestimmt.
- Dämmerung und Nacht drinnen verbringen lassen, Fliegengitter nutzen.
- Nach der Rückkehr im Kalender vormerken: Kontrolltermin in einigen Wochen, auch wenn der Hund topfit wirkt.
Kurz zusammengefasst
Die Meldepflicht seit dem 11. März 2026 verpflichtet Halter zu nichts - sie macht aber sichtbar, dass Mittelmeerkrankheiten längst in Deutschland ankommen. Der wichtigste Termin ist nicht der am Tag der Rückkehr, sondern der einige Wochen später.
Weiterführende Links (intern)
- Tierversicherung trotz Vorerkrankung
- Hundekrankenversicherung im Vergleich
- Häufige Hundekrankheiten von A-Z
Quellen (zur Verifikation): Tierseuchenmeldeverordnung (TierSeuchMeldV), gesetze-im-internet.de, BGBl. Teil I 2026 Nr. 61 vom 10.03.2026, Bundestierärztekammer, Deutsches Tierärzteblatt 4/2026 zur TierSeuchMeldV, Parasitus Ex e.V. - Mitteilung zur neuen Regelung. Kostenrahmen: GOT + Laborkosten.*
Redaktion: tiertarife.deRedaktionell recherchiert und tierärztlich gegengelesen; verantwortlich für den Inhalt ist die Amperspring GmbH. Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Kostenangaben orientieren sich an der übliche Tierarzttarife und variieren je nach Klinik und Schweregrad. Siehe Methodik.